“Ich halte es hier nicht aus”

Die TMS-Schülerin Susanna Naumann war im letzten Schuljahr in Mexiko, was sie aus dem Austausch mitgenommen hat, lesen Sie im folgenden Text auf Deutsch & Spanisch:

Ich halte es hier nicht aus

Wenn mich Leute fragen, was ich letztes Jahr gemacht habe, sage ich, dass ich für ein Jahr in Mexiko als Austauschschülerin war. Meistens fragen sie mich dann, wie es mir gefallen hat, ich sage dann „sehr gut!“.
Was ich eigentlich sagen möchte ist: „Atemberaubend!“ und damit meine ich auch, dass es mir den Atem genommen hat. Was ich eigentlich sagen möchte ist, dass es mehr als nur ein Jahr war , es hat mich verändert, gestärkt und auf die Zukunft vorbereitet. Was ich eigentlich sagen möchte ist, dass mich in meinem Leben nie mehr etwas so prägen wird wie dieses Austauschjahr, dass ich mir dort eine zweite Welt aufgebaut habe und ich es nicht ertragen kann, nicht dort zu sein; aber ich sage es nicht, stattdessen sage ich nur „sehr gut“.
Denn sie werden das Gefühl niemals fühlen und verstehen, welches man hat, wenn man unter Tränen seine Mutter das letzte Mal umarmt und weiß, dass man sie zwölf Monate nicht mehr anfassen kann. Das Gefühl in ein Land zu reisen , in dem man niemanden kennt und in das Haus eines Fremdem einzuziehen, mit großen Augen alles zu betrachten und sich zu fragen, wie man sich hier nur jemals zu Hause fühlen kann. Das Gefühl vollkommen alleine dazustehen ohne Vertraute. Das Gefühl ganz alleine Entscheidungen treffen zu müssen. Das Gefühl eine Sprache lernen zu müssen, damit man überhaupt Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen kann. Dass Glücksgefühl, wenn man seine ersten Seiten des Tagebuchs anguckt, sie mit den letzten vergleicht und sieht, dass man es geschafft hat, die Sprache zu lernen, dass man den Mut aufgebracht hat, auch mit Fehlern offen zu sprechen. Das Gefühl , wenn neue Freunde sagen, dass sie einen lieb haben und das schlechte Gewissen, was man hat, weil man die Heimat immer mehr und mehr vergisst. Das Gefühl, wenn sich Rotary-Austauschschüler aus 20 verschiedenen Ländern in einem Raum zusammenfinden und kein Krieg, sondern eine Einheit und Frieden herrscht. Das Gefühl, die Flagge seiner Heimat in die Luft zu reißen und zu schreien „Ich liebe mein Land!“. Das Gefühl, stolz auf sein Land zu sein und eine Landkarte an der Wand zu haben, auf der steht „unglaublich weit weg“. Das Gefühl, etwas Neues anzunehmen, was man nie zuvor gesehen, geschmeckt oder gerochen hat. Das Gefühl, Kultur nicht nur zu verstehen und zu sehen, sondern mit ihr zu leben. Das Gefühl, dass man in einem anderen Land als ein Teil der Gesellschaft und vollwertiges Mitglied gesehen wird. Das Gefühl, dass man ein anderes Land auf der anderen Seite der Welt seine Heimat nennen darf. Das Gefühl Zeit ganz und gar und vollkommen zu vergessen und es nur noch als einen Begriff wahrzunehmen. Das Gefühl nach dem Jahr alles schaffen zu können. Das Gefühl des Abschieds von einer anderen Welt, die man sich eigens aufgebaut hat, Abschied von Menschen, die du bis vor einem Jahr nicht einmal kanntest und die jetzt Tränen fließen lassen. Das Gefühl aus seiner Welt gerissen zu werden, unwissend, wann man wiederkommt. Das Gefühl nicht wieder in sein Land zurückkehren zu wollen. Das Gefühl, welches man hat, wenn man hinter der Flughafentür schon seine Familie sieht, die Augen schließt und betet, dass es noch nicht vorbei sein möge.

Wie können sie mich verstehen, wenn sie noch nie einen Traum wahr werden ließen?
Ich habe so viel zu erzählen, doch wer nimmt sich die Zeit es sich anzuhören?
Ich habe so viel erlebt und so viel gefühlt. Ich habe Grenzen überschritten und die Welt kennen gelernt.
Sie können es nicht fühlen, also sage ich „sehr gut“.

Susanna Naumann

Spanisch:

No aguanto estar aquí

Cuando las personas me preguntan qué hice el año pasado, les digo que estuve un año en México como una estudiante de intercambio. Muchas veces entonces me preguntan cómo me fue y yo contesto “muy bien”.

Pero la verdad es que quiero decir: “impresionante!”, lo que quiere decir que realmente se me cortó la respiración. Quiero decir que esto fue más que sólo un año: me cambió, me hizo más fuerte y me preparó para el futuro. La verdad que quiero decir es que jamás algo me va a marcar tanto en mi vida como este intercambio, que me constryó un segundo mundo y que no aguanto no estar allí; pero no lo digo, y en su lugar digo “muy bien”; porque ni van a sentir ni entender el sentimiento que uno tiene cuando abraza a su mamá la última vez, sabiendo que no la tocará los siguientes 12 meses. El sentimiento de viajar a un país sin conocer a nadie, mudarse a la casa de extranjeros, mirar todo con ojos grandes y preguntarse cómo uno jamás se puede sentir en casa aquí. El sentimiento de estar totalmente sola sin algo familiar y tomar decisiones solita. El sentimiento de tener que aprender un nuevo idioma para comunicarse con la gente. La felicidad cuando uno lee sus primeras páginas de su diario, las compara con las ultimas y uno puede ver qué lo hizo aprender el idioma y tuvo el valor de hablar en público, aunque uno sabe que se equivoca. El sentimiento de cuando nuevos amigos dicen que le quieren a uno mucho y la mala conciencia porque uno se olvida más y más de la casa. El sentimiento de estar en un cuarto con estudiantes de intercambio de Rotary de 20 países diferentes, y no hay guerra pero unidad y paz. El sentimiento de levantar los brazos, en las manos la bandera y gritar “¡amo a mi país!”. El sentimiento de estar uno orgullosa de su país y tener un mapa en el muro que dice “increíblemente lejos”. El sentimiento de aceptar algo nuevo que uno no había visto, probado u olido antes. El sentimiento de no sólo entender una cultura sino vivir con ella. El sentimiento de ser parte y miembro válido de otro país. El sentimiento de poder llamar casa a un país al otro lado del mundo. El sentimiento de olvidar el tiempo completamente, aunque sólo sea una expresión sin sentido. El sentimiento de despedirse de otro mundo que uno se construyó sola, despedirse de gente que uno ni había conocido un año antes, y quienes ahora tienen lágrimas fluidas bajo de sus mejillas. El sentimiento de estar fuere de su mundo no sabiendo cuándo uno puede regresar. El sentimiento de estar enfrente de la puerta del aeropuerto, viendo a su familia atrás de las ventanas, cerrando sus ojos y orando que todo esto todavía no se acabe.

¿Cómo me pueden entender, si no han hecho un sueño realidad?

Tengo tantas cosas que decir, pero quién se toma el tiempo para escucharme?

Experimenté y sentí tantas cosas. Crucé fronteras y conocí el mundo.

No lo pueden sentir, poreso digo “muy bien”.

Susanna C. Naumann

 

Der Text ist ebenfalls auf der Seite der Fachschaft Spanisch (http://tms-od NULL.de/206-0-Spanisch NULL.html) zu finden.

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