Gedenkfeier zum Kriegsende am 08. Mai 1945

 

Wie in jedem Jahr hat das Oldesloer „Bündnis gegen Rechts“ am 8. Mai eine Gedenkstunde für den Tag des Kriegsendes organisiert und durchgeführt. Die Feierstunde findet immer auf der Hude statt, direkt vor dem Blauen Haus, und endet mit einer Kranzniederlegung. Zu diesem Anlass sprechen unterschiedliche lokale ParteipolitikerInnen, aber auch Schülerinnen und Schüler von Oldesloer Schulen werden als Redner eingeladen. In diesem Jahr sprach für die Theodor-Mommsen-Schule Tjalf Caesar aus dem Chemie-Profil des 12. Jahrgangs. Seine Rede hat er zwar selbst entworfen, aber mit der ganzen Klasse gemeinsam überarbeitet. Dies fand im Deutschunterricht im Rahmen einer Rhetorik-Einheit statt. Das basisdemokratische Prinzip, dass über jeden Formulierungsvorschlag abgestimmt wurde, war zwar manchmal mühsam, hat sich aber letztlich gelohnt. Als Tjalf seine Rede am Ende öffentlich vortrug, war die ganze Klasse nicht nur physisch anwesend, sondern alle konnten sich zu dem Inhalt der Rede bekennen und standen auch hinter dem Friedenappell, der von dieser Rede ausgeht.

 

Rede zum 08. Mai

 

Rede zum 8. Mai

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich spreche zu Ihnen als Vertreter und Schüler der Chemie-Profilklasse des 12. Jahrgangs der Theodor-Mommsen-Schule. ich spreche zu Ihnen als Vertreter und Schüler der Theodor-Mommsen-Schule, insbesondere der Chemie-Profilklasse des 12. Jahrgangs. Sie hat in einer gemeinsamen Vorbereitungs- und Bearbeitungszeit einen großen Teil zu dieser Rede beigetragen und diese endgültige Fassung erstellt. Ein wichtige Hilfe für das von mir geschriebene Original sind jedoch auch lange und häufige Gespräche mit meinem Großvater, der den achten Mai als Zeitzeuge miterlebt hat.

Als meine Klassenkameraden und ich davon erfuhren, dass wir die ehrenvolle Aufgabe bekommen sollten, eine Rede anlässlich des heutigen Feiertages zu halten, hielt sich die Begeisterung zunächst noch sehr in Grenzen. Häufige Kommentare waren: „Warum unbedingt wir?“ und „Warum schon wieder 2. Weltkrieg? Das haben wir doch schon so oft durchgenommen!“.

Doch schnell stellte sich heraus, dass das Thema Krieg aktueller ist, als wir zunächst dachten: Spätestens seit der Krimkrise ist uns allen bewusst, wie schnell es zu militärischen Auseinandersetzungen kommen kann, nicht nur im Irak oder in Afghanistan, sondern auch bei uns in Europa. Als dann auch noch in den folgenden Wochen klar wurde, wie viele Länder in diese Konflikte involviert sind, waren plötzlich alle motiviert und es entstand eine lebhafte Diskussion:

Viele äußerten ihre Ängste vor einem Dritten Weltkrieg. Dann berichteten einige, wie es ihren Groß- und Urgroßeltern in den Kriegsjahren vor 45 ergangen war. Wir stellten fest, wie fremd und unvorstellbar das Leid dieser Generation für uns Jugendliche ist. Plötzlich fiel uns auf, wie wichtig doch die Berichte aus jener Zeit für uns sind. Denn sie beeinflussen unser Denken über Krieg massiv.

Genau deshalb sind wir uns alle einig: So etwas darf nie wieder passieren!

Bald schon fingen wir an, uns Sorgen zu machen. Was würde wohl passieren, wenn es einmal niemanden mehr gäbe, der folgenden Generationen von damals berichten kann? Würde es dann doch wieder möglich sein, dass Deutschland zu dem Monster mutiert, das es damals war? Gibt es dann noch genug Leute, die sich für Frieden und die demokratischen Werte einsetzen? Oder wird es ähnliche Verhältnisse geben wie 1939? Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass der Tag kommen wird, an dem kein Zeitzeuge mehr berichten kann!

Wir alle haben also eine Mission, deren Erfüllung ganz einfach ist: Wir müssen unser Wissen an unsere Kinder und deren Kinder weitergeben. Und ihnen klarmachen, dass auch sie ihr Wissen verbreiten müssen. Es ist wichtig, unser Wissen zu teilen, damit möglichst jeder von dem Erbe, das uns die Zeitzeugen hinterlassen, profitieren kann. Das richtet sich an alle, die mich anhören, aus jeder Generation.

Der Jahrestag des Kriegsendes ist eine gute Möglichkeit,  uns für unseren Auftrag stark zu machen. Denn er erinnert an die Freude über das Kriegsende und das Leiden in den Jahren zuvor. 

Lasst uns also den 8. Mai ganz bewusst feiern. Denn wenn wir jedes Jahr wieder an diesem Tag auch nur ein Stück weit nachvollziehen können, wie groß bei vielen die Freude über den Frieden nach einer langen Zeit der Qualen und der Zerstörung gewesen sein muss, dann können wir und die, die nach uns kommen, vielleicht auch besser verstehen, wie kostbar Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit sind.

Der Schmerz, das Wissen und die Freude dürfen niemals in Vergessenheit geraten! Dafür müssen wir uns alle gemeinsam einsetzen, damit jeder von uns einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass auch in Zukunft Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in Deutschland höchste Priorität haben!

Vielen Dank

Rede von Tjalf Caesar  (Schüler der TMS Bad Oldesloe)

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