Fachtag Geschichte der Klasse 9b in Neuengamme

Am Montag, 13.11.2017 fährt unsere Klasse zusammen mit unserer Geschichtslehrerin Frau Behrendt und Herrn Richardsen zur Gedenkstätte Konzentrationslager Neuengamme. Wir treffen uns um 8:10 Uhr am Bahnhof Oldesloe, fahren mit Zug, S-Bahn und dem Bus, bis wir gegen 10.00 Uhr am Haus des Gedenkens eintreffen. Schon als wir dort ankommen, merken wir, wie schön die Sonne scheint und die Grünflächen erstrahlen. Das Bild passt überhaupt nicht zur Vorstellung einer KZ-Gedenkstätte. Wir treffen uns mit einer Museumspädagogin Frau Möller, die uns herumführen soll. Im Haus des Gedenkens sind zwei große Modelle von der Zeit bis 1945; eines als das Konzentrationslager noch in Betrieb war, und eines von der Zeit danach. Frau Möller erklärt uns, dass die vielen Grünflächen mit den Bäumen erst später nach der Schließung des KZs angelegt worden sind. Während der Nazizeit war es dort sehr viel trister und grauer. Die Baracken der Insassen wurden nach dem Krieg abgerissen, wie auch das Gefängnis (JVA – Jugendvollzugsanstalt), das dort nach dem Krieg makabererweise bis in die 90er Jahre bestand.

Danach durften wir uns im Haus des Gedenkens umsehen; es war sehr hoch, denn an den ganzen Wänden hingen von ganz oben bis unten Schriftrollen mit Namen. Wie sich später herausstellte, waren das noch nicht einmal die Hälfte der Verstorbenen, die im KZ Neuengamme gestorben sind. Insgesamt ließen insgesamt ungefähr 40.000 Menschen ihr Leben. Es fiel auf, dass viele französische, deutsche und polnische oder russische und andere osteuropäische Namen dabei waren, aber kaum englische. Das erklärte sich damit, dass die Deutschen Großbritannien nicht erobern konnten. Danach führte uns Frau Möller vorbei am Mahnmal zur Ziegelsteinproduktion, wo die Gefangenen den Ton aus der Tongrube zu Ziegelsteinen verarbeiten mussten. Die Arbeit war extrem hart und es wurde bei jedem Wetter in der Tongrube gearbeitet – in der prallen Sonne, bis zu den Knien im Schnee und bei stärkstem Regen! Die Inhaftierten mussten zwischen zwölf und vierzehn Stunden am Tag arbeiten. Bei der Ziegelproduktion konnten sie zwar drinnen sein, aber sie wurden teilweise gezwungen, die Ziegelsteine mit bloßen Händen aus den Öfen zu holen und Arbeitsunfälle waren keine Seltenheit. Heute ist dieses Riesengebäude fast leer, es stehen dort nur noch einige Schauwände mit Illustrationen oder Fotos von damals.

Danach geleitet uns die Frau Möller zum Stichkanal und Hafenbecken. Für die Errichtung mussten die Zwangsarbeiter die Erde dort ausheben und sind durchschnittlich nach ungefähr drei Monaten nach Erschöpfung, Unterernährung oder einer der vielen Krankheiten, die daraus resultieren, gestorben. Als der fertig gestellte Kanal geflutet worden war und einem der Häftlinge seine Schubkarre ins Wasser gefallen war, mussten sie hinterherspringen, ob sie nun schwimmen konnten oder nicht, um die Schubkarre aus dem Wasser holen. Es galt nämlich der Grundsatz: Werkzeuge sind wichtiger als das Leben der Menschen.

Wir gehen weiter und kommen am ehemaligen Kommandantenhaus vorbei. Dort lebte der Kommandant des Lagers mit seiner Familie. Also  wuchsen seine Kinder inmitten von Tod, größtem Elend und Vernichtung auf – eine groteske Vorstellung!

Am ehemaligen riesigen Appellplatz erfahren wir, dass sich hier morgens und abends die Inhaftieren versammeln mussten. Sie mussten stundenlang (bis zu 6 Stunde!), auch bei eisiger Kälte oder Regen stramm stehen und warten, bis Zählung, Kontrolle und Auflisten der an dem Tag Verstorbenen abgeschlossen waren. Dort sehen wir auch, wo die Lagerinsassen „gelebt“ haben – wenn man das überhaupt als Leben bezeichnen kann. Sie teilten sich zu acht ein Bett und es waren bis zu 1000 Menschen in einer Baracke untergebracht – unvorstellbar. Die sanitären Anlagen befanden sich im katastrophalen Zustand und so verbreiteten sich Krankheiten extrem schnell. Wir sind geschockt bei der Vorstellung, welche Szenarien sich damals abgespielt haben müssen.

 

Am Ende der Führung haben wir noch Zeit, uns etwas in der Ausstellung umzusehen. Es wird dort ein Film über die Gedenkstätte gezeigt. Auch liegen Bücher mit Todeseinträgen aus; ihnen entnehmen wir, dass viele Häftlinge an Lungenembolie starben. Wir sehen dort auch die Rekonstruktion einer Baracke und die gestreiften, dünnen „Anzüge“, die alle Insassen tragen mussten.

Dann ist unser Besuch der Gedenkstätte auch schon zu Ende. Auch wenn die Sonne immer noch scheint, als wir in den Linienbus nach Bergedorf steigen, haben wir sehr gemischte Gefühle und wissen, dass wir bleibende Eindrücke gesammelt haben. Die Gedenkstätte Neuengamme regt auch im Nachhinein zum Nachdenken an.

 

Celina Voth, 9b

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